Nahezu zeitgleich wurden 2024 der monoklonale Antikörper Nirsevimab zur Prophylaxe von RSV-Infektionen bei Säuglingen und eine maternale Immunisierungsmöglichkeit gegen RSV weltweit eingeführt. Mehrere Studien haben die Effektivität der beiden unterschiedlichen Präventionsverfahren miteinander verglichen.
Moline et al. führten 2024 bis 2025 eine prospektive Fall-Kontroll-Studie an 7 US-pädiatrischen Zentren durch [1]. Es wurde die Effektivität sowie die klinische Bedeutung der maternalen RSV-Impfung mit der postnatalen Anwendung von Nirsevimab bei 5.029 Kindern < 2 Jahren mit akuten Atemwegserkrankungen untersucht. Die Effektivität gegen RSV-assoziierte Hospitalisierungen wurde für die maternale Immunisierung mit 70 % (95 %-KI 37 – 86 %) bei 446 Säuglingen < 6 Monaten ermittelt; 57 % (95 %-KI 19 – 77 %) bei Impfungen weniger als 2 Wochen vor der Geburt. Die Effektivität gegen RSV-assoziierte Hospitalisierungen betrug nach Anwendung von Nirsevimab 81 % (95 %-KI 71 – 87 %) bei 1.765 Säuglingen < 8 Monaten und anhaltend 77 % bis 130 – 210 Lebenstage.
Eine Arbeit von Jabagi et al. verglich in einer französischen Kohortenstudie mit 42.516 Säuglingen (RSV-Saison 2024 – 2025) Nirsevimab mit der maternalen RSV-preF-Impfung [2]. Die Säuglinge wurden 1:1 gematcht (Match-Rate: 92 %). Bezüglich der Effektivität gegen RSV-Hospitalisierung konnte für Nirsevimab eine 26 %ige Risikoreduktion im Vergleich zur maternalen Impfung (HR 0,74; 95 %-KI: 0,61 – 0,88) gefunden werden. Die zeitabhängige Effektivität betrug 38 % weniger RSV-bedingte Hospitalisierungen nach 31 – 60 Tagen (HR 0,26) und 49 % nach > 60 Tagen (HR 0,51). Bezüglich der Risikoreduktion schwerer RSV-assoziierter Verläufe für Nirsevimab versus maternale Impfung ermittelten die Autorinnen und Autoren eine 42 %ige Reduktion der intensivstationären Behandlungen (HR 0,58; 95 %-KI 0,42 – 0,80 %), 43 %ige Reduktion der Beatmungspflichtigkeit (HR 0,57; 95 %-KI 0,41 – 0,81 %) und schlussendlich eine 44 %ige Reduktion einer etwaigen Sauerstofftherapie (HR 0,56; 95 %-KI 0,38 – 0,81 %). Die Studiengruppe fand nach der passiven Immunisierung mit Nirsevimab im Vergleich zur maternalen Impfung mit RSV-preF-Impfstoff ein niedrigeres Risiko für RSV-assoziierte Hospitalisierungen und schwere Verläufe.
Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zur maternalen Immunisierung fand eine unzureichende Inanspruchnahme der RSV-Prophylaxe (54 % Impfquote in Großbritannien) [3].
Der monoklonale Antikörper Nirsevimab wurde in Deutschland in der ersten Saison bei 54 % der Neugeborenen angewendet. Es ließen sich erhebliche regionale Unterschiede feststellen [4].
Neben der Diskussion zur Effektivität dürfte auch die Praktikabilität des Zugangs zur maternalen Impfung bzw. die Akzeptanz der passiven Immunisierung von großer Bedeutung sein.
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (3) Seite 174
