Erstmals haben sich im Landkreis Osnabrück 18 Medizinische Fachangestellte aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu Sozialpädiatrischen Assistentinnen qualifiziert – ein Schritt, der die kinder- und jugendärztliche Versorgung im ÖGD nachhaltig stärken soll.

Das neue Curriculum greift auf das etablierte pädiatrische Fortbildungskonzept der Deutschen Akademie für Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter (DAPG; www.dapg.info) zurück, welches sich seit Jahren in kinder- und jugendärztlichen Praxen bewährt hat.

Worum es im Curriculum geht

Für den Kurs in Osnabrück wurden die Module "Basis" und "Sozialpädiatrie" aus dem Curriculum Pädiatrie der Bundesärztekammer mit insgesamt 76 Unterrichtseinheiten kombiniert und auf die Bedürfnisse der Kursteilnehmerinnen zugeschnitten. Die Teilnehmenden erwerben fundierte entwicklungspsychologische und entwicklungsdiagnostische Kompetenzen und lernen standardisierte Testverfahren wie ET 6–6R, BUEVA III und BUEGA II kennen.

Darüber hinaus werden rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen des Bundeskinderschutzgesetzes, lokale Netzwerke der Frühen Hilfen sowie Grundlagen der Prävention und Gesundheitsförderung vermittelt. Ziel ist es, Kinder und Familien im Sinne des Kindeswohls frühzeitig zu erkennen, zu begleiten und bedarfsgerecht an Hilfen anzubinden (Abb. 1).

Abb. 1: Curriculum Pädiatrie der Bundesärztekammer.

Neue Rolle im Öffentlichen Gesundheitsdienst

Die Sozialpädiatrischen Assistentinnen sollen Ärztinnen und Ärzte im ÖGD bei Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Schuleingangsuntersuchungen sowie weiteren entwicklungsdiagnostischen Maßnahmen unterstützen. Unter ärztlicher Supervision können sie perspektivisch eine standardisierte, entwicklungsbezogene Basisdiagnostik im Kleinkind-, Vorschul- und Grundschulalter selbstständig durchführen.

Damit entsteht im ÖGD eine qualifizierte nichtärztliche Berufsgruppe, die entwicklungsdiagnostische Abläufe strukturiert vorbereiten, Ergebnisse dokumentieren und Familien kontinuierlich begleiten kann. Die Ärztinnen und Ärzte werden entlastet und gewinnen Zeit für komplexe medizinische Fragestellungen, während Familien eine verlässliche Ansprechpartnerin im Gesundheitsamt erleben.

Erste Ergebnisse: motiviert, kompetent, praxisnah

Das DAPG-Dozententeam erlebte die Osnabrücker Teilnehmerinnen als motiviert, engagiert, diskussionsfreudig, kreativ, innovativ und lösungsorientiert. Die Lernziele des Curriculums wurden nach zwei Seminarwochen bereits vollumfänglich erreicht; die Gruppe verfügt über umfangreiche entwicklungspsychologische und -diagnostische Fähigkeiten und Fertigkeiten.

In den Seminaren trainierten die Teilnehmerinnen aktivierende und strukturierte Kommunikation, um Kinder und Eltern zur Teilnahme an Untersuchungen und Fördermaßnahmen zu motivieren. Sie kennen die zentralen Strukturen lokaler Netzwerke und können kindeswohlorientierte Unterstützung gezielt vermitteln – eine Kernkompetenz gerade im kommunalen Gesundheitsdienst.

Das Feedback der Teilnehmerinnen war ausgesprochen positiv. Sie schilderten, dass sie das Gelernte in Elternabenden, bei Elternberatungsgesprächen, bei Beratungen zur Alltagsgestaltung, in der Kommunikation mit der Familie in Kindergärten sowie in der Begleitung von Familien mit Migrationshintergrund gut umsetzen können. Ein sehr positiver Nebeneffekt für die Teilnehmerinnen ist auch die Tatsache, dass mit dieser Qualifikation eine Höhergruppierung der Vergütung verbunden ist (Abb. 2).

Nutzen für Kinder, Familien und Gesundheitsämter

Für Kinder und Familien kann auf der Basis des Curriculums ein niedrigschwelliges, gut erreichbares Angebot etabliert werden, das medizinische Vorsorge, Entwicklungsdiagnostik, Beratung und Lotsenfunktion miteinander verbindet. Eltern erhalten Orientierung zu Entwicklung, Förderung und bestehenden Hilfen, ohne jedes Anliegen unmittelbar ärztlich klären zu müssen.

Gesundheitsämter profitieren von strukturierten Abläufen, klar definierten Rollen und einer Stärkung des multiprofessionellen Arbeitens. Die erweiterte Qualifikation wertet das Berufsbild der Medizinischen Fachangestellten auf und trägt zur langfristigen Bindung erfahrener Mitarbeiterinnen an den ÖGD bei.

Einladung an weitere Kommunen und Träger

Der erfolgreiche erste Kurs im Landkreis Osnabrück zeigt, dass das Curriculum Sozialpädiatrie der DAPG sich sehr gut auf die Anforderungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes übertragen lässt. Kommunen, Gesundheitsämter und andere Träger, die ihre kinder- und jugendärztlichen Strukturen stärken und dem Fachkräftemangel vorausschauend begegnen möchten, können mit dieser Qualifizierung eine tragfähige Lösung aufbauen.

Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und die erreichten Kompetenzen sprechen dafür, dieses Curriculum als festen Baustein in der Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zu etablieren.

Interessierte Gesundheitsämter und Träger sind eingeladen, mit der DAPG e. V. Kontakt aufzunehmen (post@dapg.info), um Umsetzungsmöglichkeiten für ihre Einrichtung zu besprechen.

Autor:
Sylvia Meier
Deutsche Akademie für Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter e. V.
Heckertstraße 52, 44807 Bochum


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (4) Seite 306-307