Mit großer Trauer haben wir vom viel zu frühen Tod von Dr. Ingo Menrath am 22. Februar 2026 im Alter von 49 Jahren erfahren. Er war der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie sehr verbunden. Er hatte gemeinsam mit Dr. Gundula Ernst 2018 den Stefan-Engel-Preis für die Arbeiten zur Verbesserung des Selbsthilfemanagements chronisch kranker Kinder und ihrer Familien in dem Projekt "Fit für ein besonderes Leben – Modulares Schulungsprogramm für Kinder, Jugendliche und deren Familien (ModuS)" erhalten. Bereits 2013 hatte er den Posterpreis der DGSPJ für seine Arbeit über Patientenschulungen erhalten. Dieses Thema war ein Kernstück seiner Forschungsarbeiten und Praxisprojekte sowie seiner Habilitation im Jahr 2019.

Ingo Menrath studierte nach dem Abitur zunächst von 1996 bis 2001 Psychologie in Marburg und Köln. Seine Diplomarbeit 2001 zum Zusammenhang von ungerechter Bezahlung und Gesundheit wurde von dem Soziologen Prof. Siegrist in Köln betreut, die hervorragende Arbeit wurde dort weiterentwickelt und später publiziert.

Von 2001 bis 2007 studierte er Humanmedizin in Düsseldorf, begann anschließend seine Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Lübeck und schloss von 2013 bis 2018 die Zusatzweiterbildung "Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie" an. Er entwickelte seinen Forschungsschwerpunkt in der Arbeitsgruppe von Prof. Ute Thyen zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Leiter mehrerer Forschungsprojekte, u. a. im Konsortium ModuS (Modulare Patientenschulungen) gemeinsam mit der Arbeitsgruppe in Hannover um Prof. Karin Lange und Dr. Gundula Ernst sowie Dr. Rüdiger Szczepanski.

Er verfolgte einen diagnoseübergreifenden, generischen Ansatz in der Entwicklung und Umsetzung von Patienten- und Elternschulungen – als Psychologe wusste er, dass sich die zentralen Themen und Anpassungsstrategien an das Leben mit einem chronisch erkrankten Kind/Familienangehörigen stark ähneln in den betroffenen Familien. Empowerment-Strategien berücksichtigen die Bedürfnisse der Familien nach Anerkennung und Reduzierung der Belastungen und Ängste, die Wünsche auf Besserung, die Kraft der Hoffnung sowie die Stärkung durch Wissen und Kompetenz. Die Programme wenden sich an Eltern von Frühgeborenen, Kindern und Jugendlichen mit Asthma, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Diabetes Typ 1, Adipositas wie auch Jugendliche in der Transition vom Jugend- zum Erwachsenenalter.

Ingo Menrath hat die Kinderschutzgruppe an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin federführend mit aufgebaut und geleitet. Schon frühzeitig hatte er sich des Problems der Gewalterfahrung und den daraus resultierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen gewidmet, sei es die Erfahrung von Bullying in der Schule, der Partnerschaftsgewalt als eine Form häuslicher Gewalt oder ein familiärer Kontext von Überforderung und Vernachlässigung. Dabei hat er immer auf unterstützende Interventionen gesetzt und den Zusammenhang von Armut und Gesundheit im Blick behalten. Beide Themen, die der Notwendigkeit der Verbesserung der Gesundheitskompetenz und Stärkung der Selbstwirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und die Notwendigkeit von besonderen Hilfen für Familien in belastenden Lebenslagen, hat er in seinem Konzept für eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche an der Lübecker Klinik aufgenommen. Nach langen Vorbereitungen konnte sie unter seiner Leitung 2019 eröffnet werden.

Interdisziplinäres Arbeiten war dem Sozialpädiater Ingo Menrath bei allen klinischen und wissenschaftlichen Arbeiten und Projekten selbstverständlich. Gemeinsam mit einem großen Team in der Lübecker Klinik, das diesen Weg sehr gerne mit ihm beschritt und jeden Tag lebt. Er war ein außerordentlich zugewandter und hilfsbereiter Kollege, hervorragender Wissenschaftler und Arzt. Er hat bis kurz vor seinem Tod gerne gearbeitet, trotz seiner schweren Erkrankung, die er seit 5 Jahren mit bewundernswerter Geduld und Optimismus bewältigte. Er hinterlässt eine schmerzliche Lücke.

Wir sind in Gedanken und unseren Herzen bei den Angehörigen, insbesondere seiner Frau und den beiden Kindern.

Lübeck, im März 2026

Ute Thyen


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (3) Seite x-x