Mit Blick auf die USA unter Donald Trump zeigt sich, wie politische Ideologie die evidenzbasierte Medizin bedrängen und zu gravierenden Folgen für Patientinnen und Patienten führen kann. Werden Forschungsgelder gekürzt, Impfprogramme eingeschränkt, humanitäre – auch internationale – Hilfsprogramme eingestellt, medizinische Leitlinien entfernt, Informationsangebote und Ratgeber verboten sowie Expertinnen und Experten aus Gremien verdrängt, bleibt das nicht ohne Auswirkungen – auch über nationale Grenzen hinaus.
Nicht nur die Medizin ist betroffen. In weiteren Politikfeldern werden per Dekret wissenschaftliche Erkenntnisse und Ergebnisse jahrelanger Forschung infrage gestellt oder verworfen. Der Klimawandel wird relativiert oder geleugnet, Umweltschadstoffe werden verharmlost, Klimaschutzmaßnahmen und entsprechende Forschung ausgebremst.
Aus pädiatrischer Sicht ist insbesondere der Rückbau der Gesundheitsvorsorge für Schwangere und Kinder sowie die Einschränkung von Impfprogrammen hochproblematisch. Steigende Erkrankungszahlen und Komplikationen durch Masern sind ein warnendes Signal für mögliche weitere Entwicklungen. Der derzeitige US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. unterstrich seine fehlende fachliche Qualifikation, als er Vitamin A und Lebertran als Mittel gegen Masern empfahl. In der Folge verloren die USA ihren Status als masernfreies Land.
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnten wiederholt vor dem immensen Schaden, den ideologisch motivierte Eingriffe in Wissenschaft und Medizin anrichten können. Sie betonen, dass sinkende Impfquoten in einem Land langfristig auch andere Regionen gefährden.
Auch der Klimawandel birgt zusätzliche gesundheitliche Risiken. Beim Auftauen von Permafrostböden geht es nicht nur um die Freisetzung von Treibhausgasen. Diskutiert wird zudem, ob bislang unbekannte, im Eis konservierte Erreger freigesetzt werden könnten. Ob dies lediglich lokale Ausbrüche verursacht oder das Potenzial für größere Epidemien birgt, ist derzeit noch unklar.
Mit Blick auf die nächsten Kommunal- und Landtagswahlen sowie die Bundestagswahl 2029 wächst die Sorge, dass wissenschaftsfeindliche politische Strömungen auch in Deutschland Einfluss auf Gesundheitsprogramme gewinnen könnten. In sozialen Medien ist bereits eine Zunahme impfkritischer Beiträge zu beobachten, wobei oft unklar bleibt, ob diese von realen Personen oder automatisierten Accounts stammen.
Was ist zu tun? Wissenschaftliche Gremien, Fachgesellschaften und Universitäten sollten enger kooperieren und den aktuellen Stand ihrer Disziplinen geschlossen und verständlicher kommunizieren. Deutschland muss zudem attraktiver für Forschende werden, die angesichts der unsicheren Lage in den USA eine Tätigkeit in Europa erwägen. Nicht zuletzt ist die Politik gefordert, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung konsequent zu schützen und zu sichern. Deshalb ist es höchste Zeit, den politischen (Gesundheits-)Ideologen auch vonseiten der Pädiatrie und weit darüber hinaus deutlich mehr entgegenzusetzen, als dies derzeit der Fall ist.
Dr. med. Markus Landzettel, Darmstadt
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (3) Seite x-x
