Ausscheidungsstörungen sind häufig, emotional belastend für Kinder, Jugendliche und Eltern und sie lassen sich in aller Regel gut behandeln. Diese Grundaussage zieht sich vom Vorwort durch das gesamte Buch und alle Materialien.
Dass das Buch wirklich eine sehr praxisnahe Anleitung für die Behandlung ist, sieht man am besten an den Arbeitsblättern für die Kinder und den Materialien für die Therapeutinnen und Therapeuten. Das sind Geschichten und Bilder über die Zusammenarbeit von Blase und Gehirn; es wird erklärt, wie eine Verstopfung entsteht und was man dagegen tun kann. Die Materialien sind sehr kindgerecht gestaltetet und regen an zur Selbstbeobachtung und zur Erinnerung an neu erlernte Abläufe.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil geht es um die theoretischen Grundlagen des Einnässens am Tag und in der Nacht und auch um das Einkoten – die Stuhlinkontinenz (anders als im Untertitel des Buches formuliert geht es nämlich auch um ein "Trainingsprogramm" für den Darm).
Im zweiten Teil wird das Therapiemanual beschrieben, dass sich sowohl für Einzelbehandlungen als auch für Therapie in einer Gruppe verwenden lässt.
Die dafür notwendigen Materialien (der dritte Teil des Buches) werden vom Hogrefe-Verlag als Download zur Verfügung gestellt)
Mein Vorschlag: Erschließen Sie sich das Buch von hinten nach vor. Beginnen Sie mit dem Ausdruck der Download-Materialien. Wenn Sie dann das Therapiemanual lesen, können Sie die da erwähnten Materialien gleich anschauen und lernen zuerst (psychoedukativ) aus der Kinderperspektive, worum es geht und was wichtig ist.
Jetzt sind Sie bereit für den theoretischen Teil, der ein bisschen mehr Mühe und Konzentration erfordert. Er liefert Ihnen leitliniengerecht die wichtigen Hintergrundinformationen. Hier wird erklärt, warum es essentiell ist, Ausscheidungsstörungen in einer bestimmten Reihenfolge zu behandeln und Sie bekommen kompakte Informationen zu Ätiologie, Diagnostik (auch zu der, die nicht notwendig ist), Therapie und zur Evidenz.
Dann können Sie in Ihrer Praxis kombinieren, was Sie bei welchen Patientinnen und Patienten wirklich brauchen, was Sie erst mal weglassen können und in der Reserve behalten.
Das Buch ist eine gute Grundlage für alle Berufsgruppen, die sich nichtorganischen Ausscheidungsstörungen widmen, den ärztlichen und den therapeutischen.
Dr. med. Ute Mendes, Berlin
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Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (1) Seite x-x
