Wie erfolgreich therapieren wir aktuell (schweres) Asthma – eine AnnäherungAsthma im Kindes- und Jugendalter erhöht das Risiko für eine COPD im Erwachsenenalter. Obwohl es gute Therapieoptionen für Kinder und Jugendliche mit schwerem Asthma bronchiale gibt, ist die Versorgungssituation unbefriedigend. Was sagen die Leitlinien zum richtigen Asthma-Management? Und wie lässt sich die Versorgungssitutation verbessern?

Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung im Kindes- und Jugendalter und ist durch eine chronische Entzündung der Atemwegsmukosa und bronchiale Hyperreagibilität mit variabler Atemwegsobstruktion gekennzeichnet.

Bezüglich der Behandlung hat sich das Paradigma in den letzten Jahren dahingehend geändert, dass eine antiinflammatorische Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden frühzeitig, d. h. auch schon bei mildem Asthma indiziert ist. Je nach Schweregrad und Kontrolle wird die Therapie nach einem Stufenplan angepasst. In die Bewertung der Asthmakontrolle gehen sowohl die Symptome als auch der Gebrauch an Bedarfsmedikation, nächtliche Beschwerden, die Lungenfunktion und das Auftreten von Exazerbation mit ein. Ziel ist in jedem Fall das Erreichen einer guten Asthmakontrolle, d. h. Symptomfreiheit im Alltag ohne den Gebrauch von Bedarfsmedikation, mit normaler Lungenfunktion und ohne Exazerbation. In dem Stufenplan spielen neben inhalativen Kortikosteroiden vor allem langwirksame Betamimetika, aber auch ein langwirksames Anticholinergikum, Montelukast und bei schwerem Asthma monoklonale Antikörper eine Rolle. Als Bedarfsmedikation wird in der Regel Salbutamol inhalativ empfohlen; ab dem Alter von 12 Jahren wird zunehmend eine Bedarfstherapie in der Kombination mit inhalativem Kortikosteroid und Formoterol empfohlen [1, 2].

Eine Gruppe, in der die Diagnose Asthma bronchiale häufig schwierig ist, ist die der Klein- und Vorschulkinder. Hier folgt die Therapie grundsätzlich den gleichen Prinzipien mit inhalativen Kortikosteroiden und kurzwirksamen Betamimetika; mangels klinischer Studien in dieser Altersgruppe gibt es aber erhebliche Grenzen hinsichtlich evidenzbasierten Therapieoptionen. Nur wenige der für ältere Kinder verfügbaren Substanzen/Substanzgruppen haben im Klein- und Vorschulalter eine Zulassung.

Die aktuellen Empfehlungen sind für den deutschsprachigen Raum sowohl in der nationalen Versorgungsleitlinie Asthma bronchiale [1] als auch in der fachärztlichen S2k-Leitlinie zum Management des Asthmas [2] hinterlegt. Gerade hinsichtlich der Bedarfstherapie mit inhalativen Kortikosteroiden lohnt sich aber auch der Blick in die internationalen Leitlinien, insbesondere die GINA-Leitlinie in der aktuellen Auflage [3].

Unter den pädiatrischen Patienten mit Asthma bronchiale trägt die kleine Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit schwerem Asthma den wesentlichen Anteil an Morbidität mit Einschränkung der Lebensqualität durch Exazerbationen, Schulfehltage, Einschränkung bei außerschulischen Aktivitäten wie Sport, vermehrte Ängstlichkeit, Schlafstörungen etc. mit entsprechender Belastung für die Eltern und die gesamte Familie.

Diagnose schweres Asthma

Schweres Asthma wird bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert, wenn bei sachgerechter und richtig durchgeführter Therapie mit dem Ziel einer guten Asthmakontrolle dauerhaft eine Add-on-Therapie mit einem langwirksamen Anticholinergikum oder einem monoklonalen Antikörper erfolgen und/oder eine hohe ICS-Tagesdosis verabreicht werden muss. Eine eigene Leitlinie zum Management von schwierigem und schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen ist gerade veröffentlicht [4] (Abb. 1).

Langfristige Prognose

Bezüglich der langfristigen Prognose lässt sich individuell keine gute Vorhersage treffen. Man geht davon aus, dass es bei ca. 30 % der pädiatrischen Patienten bis in das Erwachsenenalter zu einer klinischen Remission kommt [5]; gleichzeitig bleiben die Einschränkungen in der Lungenfunktion allerdings bestehen, und diese Patienten haben wahrscheinlich langfristig ein erhöhtes Risiko, eine chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu entwickeln [6].


Verfügbare Biologika

Als sogenannte Biologika zur Therapie des schweren Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen stehen aktuell im deutschsprachigen Raum 4 Substanzen zur Verfügung [2]:

  • Omalizumab als Anti-IgE-Antikörper;
  • Mepolizumab als Anti-IL-5-Antikörper,
  • Dupilumab als Anti-IL-4 Rezeptorantikörper und
  • Tezepelumab als Anti-TSLP-Antikörper.

Dabei ist Tezepelumab erst ab 12 Jahren zugelassen. Für Dupilumab, dass bei Asthma ab 6 Jahren zugelassen ist, besteht eine Zulassung für Säuglinge mit schwerer atopischer Dermatitis bereits ab dem 6. Lebensmonat. Die Auswahl erfolgt nach Zulassungskriterien, wobei Omalizumab für schweres allergisches Asthma zugelassen ist mit Sensibilisierung gegen wenigstens ein ganzjähriges Aeroallergen; Mepolizumab für schweres eosinophiles Asthma; Dupilumab für schweres Asthma mit Erhöhung von exhaliertem Stickstoffmonoxid (FeNO) und/oder Eosinophilen im Blut; während für Tezepelumab außer einer Diagnose schweres Asthma bronchiale keine weiteren Kriterien benannt sind.

Omalizumab steht seit mehr als 10 Jahren in der Pädiatrie zur Verfügung. Es liegt eine Vielzahl von Studiendaten für die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen vor. Die Daten zeigen insgesamt, dass es zu einer klinisch relevanten Reduktion von Exazerbationen kommt mit langfristig anhaltendem Effekt. Für Dupilumab liegen große doppelblind geführte Langzeitstudien zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen vor; diese Studiendaten belegen nicht nur eine klinisch relevante Reduktion von Exazerbationen, sondern auch eine deutliche Verbesserung der Lungenfunktion unter Dupilumabtherapie.

Die Studiendaten zu Mepolizumab sind dagegen begrenzt auf einzelne Studien und kasuistische Berichte. Bei Kindern und Jugendlichen ist eine moderate Reduktion von Exazerbationen beschrieben [7].

Tezepelumab ist erst seit Kurzem für Jugendliche zugelassen; eigene Studien im pädiatrischen Alterspektrum sind bislang nicht publiziert.

Wie ist die Prävalenz von Asthma bei Kindern und Jugendlichen?

Im Hinblick auf die Versorgungslage in Deutschland ist es wichtig, zunächst epidemiologische Daten zur Prävalenz von Asthma zu betrachten.

Die Faktenseiten (Lung Facts) der International Respiratory Coalition (IRC) der European Respiratory Society (ERS) zur Prävalenz von Asthma in der WHO-Region Europa gibt eine Zahl von 43,5 Millionen Betroffenen an; davon sind 11,8 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (bis 20 Jahre).

Für Deutschland wird im Weißbuch Lunge [8] – basierend auf Daten der Barmer Ersatzkasse von 2019 – eine Prävalenz für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren von 8,11 % angegeben, das entspricht ca. 1 Million Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Dabei ist die Prävalenz in der Gruppe der Kleinkinder mit 4,9 % am niedrigsten und für die Gruppe der 10- bis 14-Jährigen mit 8,38 % am höchsten. In allen Altersstufen gibt es ein leichtes Überwiegen von männlichen Betroffenen.

Für die Schätzung der Prävalenz von schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen muss man auf internationale Daten zurückgreifen. In der skandinavischen NORDSTAR-Studie [8] wird eine Prävalenz von 0,3 bis 1,0 % angegeben; dabei war schweres Asthma definiert als Bedarf einer hohen Dosis inhalativer Kortikosteroide mit oder ohne zusätzlicher Inhalation von langwirksamen Betamimetika (LABA), langwirksamen Muscarin-Rezeptor-Antagonisten und/oder zusätzliche Medikation mit Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten. In der schwedischen BAMSE-Kohorte lag die Prävalenz bei 12-Jährigen bei 0,23 % der Gesamtpopulation und bei 2 % der Patienten mit Asthma. Legt man die niedrigere Prävalenz von 1 % zugrunde, kommt man dennoch auf eine Zahl von 10.000 betroffenen Kindern und Jugendlichen mit schwerem Asthma bronchiale (1 % von 1.000.000).

Aus wissenschaftlichen Registern können keine verlässlichen Daten erhoben werden, da die Teilnahme an einem Register nicht verpflichtend ist und nicht alle klinischen Zentren und Praxen, die Kinder und Jugendliche mit Asthma versorgen, teilnehmen.

Im German Asthma Net (GAN), in dem insgesamt 116 deutsche Zentren teilnehmen und Patienten einbringen, sind nur 12 pädiatrische Zentren erfasst. Darüber hinaus gibt es im Deutschen Zentrum für Lungenerkrankungen, dass sich ausschließlich aus universitären Zentren zusammensetzt, eine eigene Kohorte, in die auch Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Da es keine flächendeckende Erfassung gibt, kann nicht auf verlässliche Daten zur Prävalenz zurückgegriffen werden.

Welche Hinweise gibt es für die Qualität der Versorgung?

Da die pädiatrischen Daten aus dem GAN-Register bislang nicht publiziert sind, muss auf unveröffentlichte Daten aus persönlicher Kommunikation zurückgegriffen werden. Danach waren 2023 im GAN 260 Patienten im Altersspektrum bis 18 Jahre erfasst. Das sind gerade 2,6 % der hypothetischen 10.000 betroffenen Kinder und Jugendlichen mit schwerem Asthma. Für die in GAN erfassten Betroffenen müssen anhand der angegebenen Symptomlast fast 50 % als unzureichend kontrolliert betrachtet werden; für fast die Hälfte der erfassten Patienten werden im Register Exazerbationen berichtet.

Noch weniger Informationen gibt es über die Versorgungslage mit Biologika. Interne Daten aus der Industrie sprechen für eine Versorgung von ca. 277 Kindern und Jugendlichen mit Omalizumab im Jahr 2023 (persönliche Kommunikation); 170 Kinder und Jugendliche mit Dupilumab (persönliche Kommunikation); sowie 20 Jugendlichen mit Tezepelumab (persönliche Kommunikation). Insgesamt bedeutet dies, dass weniger als 500 von den hypothetischen 10.000 Kindern und Jugendlichen mit schwerem Asthma mit Biologika versorgt sind.

Laut Leitlinien [1, 2, 4] sollte zumindest eine Konsultation eines pädiatrischen Pneumologen erfolgen, sobald eine Therapie gemäß Stufe 4 der Nationalen Versorgungsleitlinie erforderlich ist; bei Stufe 5 und 6 sollte sogar die Vorstellung in einem Zentrum für pädiatrische Pneumologie erfolgen. Allerdings ist eine flächendeckende Versorgung mit pädiatrischen Pneumologen in Niederlassung oder Klinik nicht überall gegeben.

Für Tezepelumab wurde ermittelt, dass mehr als 40 % der Verordnungen nicht durch Kinder und Jugendärzte erfolgt sind; dies unterstreicht die interdisziplinäre Nutzung (persönliche Kommunikation).

Insgesamt muss man festhalten, dass es keine sichere Evidenz hinsichtlich der tatsächlichen Prävalenz von schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland gibt; weder das German Asthma Net noch andere wissenschaftliche Register bilden die gesamte Population ab; andere Daten sind für Deutschland nicht transparent verfügbar. Die Verordnungszahlen legen nahe, dass nur ein Bruchteil der tatsächlich von schwerem Asthma Betroffenen leitliniengerecht versorgt sind. Daten für Kinder vor dem 6. Geburtstag fehlen komplett.

Die Diskrepanz zwischen Leitlinienempfehlung zur Therapie von Asthma bronchiale und der Verordnungsrealität wird auch deutlich aus folgenden Zahlen (Quelle: ATLAS, AstraZeneca inhouse analysis based on IQVIA LRx data, Stand: 09/2025; Data on file): Danach gibt es in Deutschland fast 2.000 Kinder und Jugendliche (0 – 17 Jahre) mit Asthma, die 6 oder mehr Packungen eines kurzwirksamen Betamimetikums zur Bedarfsmedikation in einem einzigen Jahr verordnet bekamen. Aus internationalen Studien (z. B. [9]) ist bekannt, dass ab einer Verordnungsfrequenz von 2 Salbutamol-Dosieraerosolen die Morbidität und Mortalität erheblich ansteigt.

Was sollten wir tun, um die Versorgung zu verbessern?

Obwohl keine sicheren epidemiologischen Daten vorliegen und die Verordnungsdaten nicht transparent und öffentlich sind, gibt es deutliche Hinweise auf eine unzureichende Versorgung von Betroffenen mit Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter.

Aus der langjährigen klinischen Erfahrung in Kinderkliniken der Akutversorgung besteht der Eindruck, dass viele Patienten, die wegen Asthmaexazerbation stationär behandlungspflichtig sind, nicht leitliniengerecht behandelt werden; und dass zu häufig nur Betamimetika verordnet werden.

Auch für mildes Asthma wird international mittlerweile empfohlen, dass bei Anwendung von Salbutamol immer parallel ein inhalatives Kortikosteroid inhaliert werden soll, um schwere Exazerbationen zu verhindern. Für Jugendliche ab 12 Jahren gibt es die Optionen der Bedarfstherapie mit Formoterol und einem inhalativen Kortikosteroid, die eine sichere antiinflammatorische Therapie bei Asthmasymptomen sicherstellt. Diese Kombination aus Formoterol und einem inhalativen Kortikosteroid kann als sogenannte smarte Therapie 1 zum Einsatz kommen, wenn eine Langzeittherapie erforderlich ist.

Bezüglich der besseren Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schwerem Asthma ist eine entsprechende Aufklärung und Schulung von Kinder- und Jugendärzten in den Praxen und nicht spezialisierten Kliniken erforderlich sowie umfassendere Schulungsangebote für Betroffene und ihre Familien.

Ganz vernachlässigt sind bislang Klein- und Vorschulkinder, bei denen die Therapie nur phänotyporientiert erfolgen kann und in der Regel auf inhalative Therapien begrenzt ist. In dieser Altersgruppe gibt es wenig zugelassene Substanzen und Präparate, bislang sind Biologika zur Therapie eines schweren Asthmas im Klein- und Vorschulalter nicht verfügbar. Studien zum Thema schweres Asthma sind in dieser Altersgruppe die Ausnahme.

Zu nennen ist hier die TIPP-Studie, eine prospektive multizentrische placebokontrollierte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Tiotropium zur Prävention von schweren Asthma-Exazerbationen bei Klein- und Vorschulkindern mit Asthma bronchiale [10].

Zusammenfassung und Ausblick

Obwohl es gute Therapieoptionen für Kinder und Jugendliche mit schwerem Asthma bronchiale gibt, ist die Versorgungssituation unbefriedigend. Leider gibt es keine gute Datenlage zur Prävalenz, verfügbare Zahlen sprechen für eine deutliche Unterdiagnose und Untertherapie der Betroffenen.

Eine Verbesserung der Situation erfordert mehr Aufmerksamkeit durch entsprechende Fortbildung im ambulanten und stationären Versorgungssektor. Das gilt allerdings nicht nur im Hinblick auf schweres therapierefraktäres Asthma, sondern auch für die Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit mildem und moderatem Asthma bronchiale. Eine besondere Altersgruppe sind die Kinder vor dem Schulalter, bei denen zum einen die Diagnose schwieriger zu stellen ist, zum anderen die Vielfalt der Therapieoptionen deutlich geringer ist.

Es ist Aufgabe aller Beteiligten im Gesundheitssystem, eine gute Datenlage zu schaffen, die Aufmerksamkeit für chronische Atemwegs- und Lungenerkrankungen zu verbessern, dabei insbesondere auf Kinder und Jugendliche einzugehen und dafür zu sorgen, dass ausreichend Therapie- und Versorgungsmöglichkeiten bestehen, um eine zeitgemäße Asthmatherapie zu ermöglichen.


Literatur
1. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2024) AWMF S3-Leitlinie "Nationale Versorgungsleitlinie Asthma" Version 5.0. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-002l_S3_Asthma_2024-08.pdf
2. Lommatzsch M, Criee CP, de Jong CCM, Gappa M, Geßner C et al. (2023) Diagnosis and treatment of asthma: a guideline for respiratory specialists 2023 – published by the German Respiratory Society (DGP) e. V. Pneumologie 77 (8): 461 – 543
3. Global Initiative for Asthma (GINA) (2024) Global Strategy for Asthma Management and Prevention 2024. https://ginasthma.org/2024-report/
4. Derichs N, Eber E, Gappa M, Gerstlauer M, Hamelmann E et al. (2025) AWMF-S1-Leitlinie "Management von schwerem und schwierigem Asthma bei Kindern und Jugendlichen". 23.06.2025. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/026-027
5. Ross KR, Gupta R, DeBoer MD, Zein J, Phillips BR et al. (2020) Severe asthma during childhood and adolescence: A longitudinal study. J Allergy Clin Immunol 145: 140 – 146.e9
6. Bui DS, Lodge CJ, Burgess JA, Lowe AJ, Perret J et al. (2018) Childhood predictors of lung function trajectories and future COPD risk: a prospective cohort study from the first to the sixth decade of life. Lancet Respir Med 6: 535 – 544
7. Wetzke M, Funken D, Ahrens FO, Gappa M, Hansen G et al. (2022) Mepolizumab Treatment in Severe Pediatric Asthma: First Multicentric Real-World Data. Klin Padiatr 234: 305 – 308
8. Hansen S, von Bülow A, Sandin P, Ernstsson O, Janson C et al. (2023) Prevalence and management of severe asthma in the Nordic countries: findings from the NORDSTAR cohort. ERJ Open Res 9 (2): 00687 – 2022
9. Morgan A, Maslova E, Kallis C, Sinha I, Roberts G et al. (2023) Short-acting beta(2)-agonists and exacerbations in children with asthma in England: SABINA Junior. ERJ Open Res 9 (2): 00571 – 2022
10. Zielen S, Wosniok J, Wollscheid N, Nickolay T, Grimmel C et al. (2025) Characteristics of children with severe preschool asthma prior to starting the TIPP study. Front Pediatr 13: 1558256

Interessenkonflikt
Professor Gappa gibt folgende Interessenkonflikte an: Honorare für Vorträge und/oder Beratung (Advisory Board): ALK, AstraZeneca, Berlin Chemie, Chiesi, GSK, HAL, OM-Pharma, Regeneron, Sanofi. Klinische Studien: ALK, Infectopharm, DBV, OM-Pharma, Sanofi

Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Monika Gappa
Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf
Klinik für Kinder und Jugendliche
Kirchfeldstraße 40
40217 Düsseldorf
E-Mail: monika.gappa@evk-duesseldorf.de
© E. Aaldering, Wesel
Merksatz: Jede stationär behandlungsbedürftige Asthmaexazerbation sollte zu einer Re-Evaluation der Therapie und ggf. Therapieeskalation führen.
Bei jedem Patienten in der kinder- und jugendärztlichen Praxis sollte bereits bei der 2. Verordnung eines kurzwirksamen Betamimetikums in einem Kalenderjahr die Diagnose Asthma geprüft und ggf. eine antiinflammatorische Therapie initiiert werden.
Merksatz: Nur eine kleine Zahl der Kinder und Jugendlichen mit schwerem Asthma ist in Deutschland leitliniengerecht behandelt.
Merksatz: Asthma im Kindes- und Jugendalter erhöht das Risiko für eine COPD im Erwachsenenalter.
Merksatz: In Deutschland gibt es 3 aktuelle Leitlinien zum Management von Asthma bei Kindern und Jugendlichen: die Nationale Versorgungsleitlinie, eine fachärztliche Leitlinie und eine spezielle pädiatrische Leitlinie zum Management des schweren Asthmas [1, 2, 4].
Merksatz: Die Asthmatherapie wird nach Kontrolle gesteuert. Asthmakontrolle bedeutet Symptomfreiheit im Alltag. Jede akute Notfallvorstellung mit Asthmasymptomen, aber auch Bedarfsmedikation bei Sport bedeutet schlechte Asthmakontrolle und eine Anpassung der Therapie.
Inhalative Kortikosteroide werden in der modernen Asthmatherapie auch bei mildem Asthma empfohlen.
Ziel einer Asthmatherapie ist in jedem Fall das Erreichen einer guten Asthmakontrolle, d. h. Symptomfreiheit im Alltag ohne den Gebrauch von Bedarfsmedikation, mit normaler Lungenfunktion und ohne Exazerbation.
<caption>Abb. 1: Abklärung und Therapieentscheidung bei schwer behandelbarem und schwerem Asthma [mod. nach 4].</caption>

Wesentliches für die Praxis . . .
  • Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung im Kindes- und Jugendalter.
  • In den letzten Jahren hat sich das Paradigma von der symptombasierten Therapie hin zu einer frühzeitigen antiinflammatorischen Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) verschoben.
  • Die Therapieführung erfolgt stufenweise, orientiert an Symptomontrolle, Lungenfunktion und Exazerbationen. Spezielle Herausforderungen bestehen bei Klein- und Vorschulkindern, deren Therapie begrenzt evidenzbasiert ist.
  • Internationale Leitlinien (GINA) empfehlen zusätzlich bei Bedarfstherapie ICS/LABA-Kombinationen.
  • Schweres Asthma trägt unverändert erheblich zur Morbidität bei.
  • Die Prävalenz von schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen ist international besser quantifizierbar als in Deutschland; belastbare bundesweite Daten fehlen.
  • Biologika (Omalizumab, Mepolizumab, Dupilumab, Tezepelumab) werden nur begrenzt eingesetzt.
  • Zur Verbesserung der Versorgung bedarf es mehr Aufmerksamkeit, verstärkter Schulung von hausärztlich tätigen Kinder- und Jugendärzten, mehr pädiatrisch-pneumologischer Expertise sowie einer transparenteren Datenlage zu Diagnose, Behandlung und Versorgung.
Asthma Therapie-Stufe 4 – 6Diagnose korrekt? (nach Aktenlage)Kein Asthma -> DD klärenGute Kontrolle?Reduktion möglich?Kein schweres Asthma: -> Therapie-Stufe 1 – 4Management optimal?Management optimieren!Kontrolle verbessert?Re-Evaluation: Diagnose korrekt?Kein Asthma -> DD klärenKontrolle weiter schlecht?Modifiziere erschwerende Faktoren!Kontrolle weiter schlecht?Kontrolle weiter schlecht?Schweres Asthma -> Biologika erwägenSchwer behandelbares Asthma, nicht modifizierbar: -> Biologika erwägenSchwer behandelbares Asthma, modifizierbar: -> durch optimales Management
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf Vorträgen im Rahmen der Jahrestagungen der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP e. V. 2024 und 2025).
Merksatz: Die Häufigkeit von schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen (ca. 10.000) lässt sich nur schätzen.

Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (2) Seite x-x