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Die kongenitale Zytomegalievirus-Infektion (cCMV) ist die häufigste nichtgenetische Ursache für Schallempfindungsschwerhörigkeit (SNHL) bei Kindern. In den USA kommen cCMV bei schätzungsweise 5 von 1.000 Lebendgeburten vor [1]. Die meisten cCMV-Infektionen bleiben unerkannt. Neugeborene werden in der Regel wegen auffälliger, pränataler Ultraschallbefunde auf cCMV getestet, bei einem klinischen Verdacht auf cCMV (Mikrozephalie, Thrombopenie), bei der Geburt, aufgrund einer mütterlichen Anamnese mit einer CMV-Infektion während der Schwangerschaft oder im Rahmen einer Hörtestung.
Etwa 10 % der infizierten Säuglinge zeigen bei der Geburt klinische Befunde wie Purpura, Petechien, Ikterus, Hepatosplenomegalie, Retinitis oder eine Mikrozephalie [1]. Bis zu 50 % der symptomatischen Säuglinge und 15 % der asymptomatischen Säuglinge leiden entweder bei der Geburt oder mit verzögertem Beginn an einer SNHL, die stabil, schwankend oder progressiv sein kann [1]. Säuglingen, bei denen eine cCMV-Infektion diagnostiziert wurde, kann eine antivirale Behandlung angeboten werden. Die Rationale der Off-Label-Behandlung ist, das Gehör zu erhalten und ggf. die Entwicklungsergebnisse zu verbessern.
Empfehlungen der American Academy of Pediatrics
Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt entweder intravenös Ganciclovir oder orales Valganciclovir (Ganciclovir-Prodrug) für Säuglinge mit einer mittelschweren bis schweren symptomatischen cCMV-Erkrankung. Die Behandlung sollte innerhalb des ersten Lebensmonats begonnen werden [1]. Die Behandlung wird für Säuglinge mit isolierter SNHL nicht empfohlen [1, 2]. Viele europäische Expertinnen und Experten klassifizieren eine isolierter SNHL bei Säuglingen als schwere symptomatische cCMV-Erkrankung und empfehlen eine antivirale Behandlung [3]. Trotz der Empfehlung der AAP hat die antivirale Behandlung von Säuglingen mit cCMV ohne klinische Befunde zugenommen [4].
Aktuelle Studiendaten
In zwei klinischen Studien schien Ganciclovir oder Valganciclovir, wenn innerhalb des ersten Monats mit der Behandlung begonnen wurde, das Gehör und den Entwicklungsstatus zu verbessern [5, 6]. Auch haben Beobachtungsstudien ergeben, dass Säuglinge mit symptomatischer cCMV-Infektion und Hörverlust, die antiviral behandelt wurden, offenbar eine geringere Verschlechterung des Hörvermögens, insbesondere bei leichter bis schwerer Hörbehinderung zu Studienbeginn aufwiesen [7]. Eine placebokontrollierte Studie mit Valganciclovir bei Kindern mit verzögert einsetzender SNHL zeigte eine Verschlechterung des Hörvermögens in 23 % (6/26) der behandelten Kinder im Vergleich zu 4 % (1/28) der mit Placebo therapierten Kinder [8]. Eine offene Studie zur Bewertung der Valganciclovir-Behandlung zur Gehörverlustprävention bei Säuglingen mit asymptomatischer cCMV ist vor Kurzem aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden [9]. In den Niederlanden wird aktuell geprüft, ob eine 6-wöchige Valganciclovir-Therapie eine Hörschädigung bei Säuglingen im Alter von einem Jahr mit cCMV und isolierter SNHL im Vergleich zu fehlender Behandlung verhindert. Die Ergebnisse sind noch nicht verfügbar [10].
Letztendlich sind mehr valide Daten notwendig, um zu klären, ob die Vorteile einer Behandlung mit Valganciclovir die Risiken eindeutig überwiegen. Hämatologische, unerwünschte Ereignisse (UAW) treten bei 29 % der Säuglinge mit cCMV, die mit Valganciclovir behandelt wurden, auf. Die häufigste UAW ist die Neutropenie [11].
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2024; 95 (1) Seite 12-13
