Atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die insbesondere bei Jugendlichen die Lebensqualität signifikant beeinträchtigt. Die Belastung durch AD geht jedoch auch über dermatologische Symptome hinaus. Denn es gibt zunehmend Belege dafür, dass AD mit psychischen Störungen in Verbindung steht.
Eine Forschungsgruppe um Marta Szepietowska von der Universität Krakau in Polen hat in einer großen Studie die Daten einer US-amerikanischen Gesundheitsdatenbank analysiert. Mithilfe der TriNetX-Analytics-Plattform wurde eine retrospektive Kohortenstudie durchgeführt, in die Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren mit AD-Diagnose einbezogen wurden. Personen mit vorbestehenden psychiatrischen Störungen wurden ausgeschlossen. Es wurde eine übereinstimmende Kontrollgruppe identifiziert, wobei das Propensity Score Matching (1:1) demografische, sozioökonomische und wichtige systemische Komorbiditäten berücksichtigte. Die psychiatrischen Ergebnisse wurden mit ICD-10-Codes erfasst und mithilfe von Cox-Proportional-Hazard-Modellen analysiert. Zudem wurden Sensitivitäts- und geschlechtsstratifizierte Analysen durchgeführt.
Nach dem Matching wurden 262.558 Jugendliche in jede Kohorte aufgenommen. Es zeigte sich, dass AD mit einem signifikant erhöhten Risiko für psychiatrische Störungen verbunden war (17,3 vs. 6,2 %). Deutlich erhöht waren Angstzustände (7,7 vs. 2,8 %), Depressionen (2,9 vs. 1,1 %), Schlafstörungen (6,9 vs. 4,6 %), Suizidalität (1,1 vs. 0,6 %) und Selbstverletzung (0,2 vs. 0,1 %). Auch viele weitere psychiatrische Diagnosen wie Persönlichkeitsstörungen kamen bei AD-Patientinnen und -Patienten häufiger vor. Die Ergebnisse blieben in den Sensitivitätsanalysen konsistent. Weibliche Jugendliche wiesen ein überproportional höheres Risiko für Depressionen, Angstzustände, Essstörungen und Selbstverletzung auf. Männliche Jugendliche fielen durch eine höhere Belastung durch AD und Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression, Regelverstöße und Impulsivität auf.
Wie die Studie belegt, haben Jugendliche mit AD ein deutlich erhöhtes Risiko für verschiedene psychiatrische Störungen, wobei Mädchen besonders betroffen sind. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer integrierten dermatologischen und psychologischen Versorgung, um die psychische Gesundheit dieser Bevölkerungsgruppe stets im Blick zu haben. Gerade junge Menschen mit AD sollten daher psychologisch gut begleitet werden, um ihre seelische Gesundheit bestmöglich zu erhalten, so die Forderung des Studienteams.
Katharina Maidhof-Schmid
