Bereits 2024 berichteten wir in der Kinderärztlichen Praxis über das Gründungsvorhaben. Nun, zum neuen Jahr 2026, ist es Zeit für ein Update. Die Initiatoren konnten weitere gestaltende Mitwirkende gewinnen, um auf Landesebene Gründungen umzusetzen. Es geht also voran.

Die Berufsgruppe der Therapeuten und Therapeutinnen ist ein wesentlicher – wenn auch in der Regel nicht akademischer –, Bestandteil in der interdisziplinären SPZ-Arbeit. Erst durch die zahlreichen Therapeuten und Therapeutinnen, die in den SPZs tätig sind, ist Interdisziplinarität gewährleistet. Die SPZ-Kultur in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Neben den überwiegend diagnostisch und beratend tätigen Kollegen und Kolleginnen führen viele SPZs therapeutische Behandlungen häufig über längere Zeiträume hinweg aus und begleiten die Familien intensiv. Längere Behandlungen werden durch die meist chronischen und komplexen Erkrankungen der Kinder notwendig und erfordern besonders kompetentes und speziell geschultes Personal.

Breites Spektrum an Therapeuten und Therapeutinnen

Die Gruppe der Therapeuten und Therapeutinnen ist heterogen. Neben den medizinisch-therapeutischen Berufen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gehören auch Musik- und Kunsttherapeuten und -therapeutinnen, Heilpädagogen und -pädagoginnen sowie Sport- und Bewegungstherapeuten und -therapeutinnen zu unserer Gruppe. Die Therapeuten-Community ist also an sich schon interdisziplinär. Das stellt eine besondere Aufgabe bei der Ausgestaltung der BAG dar. Dabei müssen solche Fragen beantwortet werden: Welche Grundlagen bei der Weiterentwicklung verbindet all diese Berufsgruppen und wo brauchen wir perspektivisch weitere fachspezifische Untergruppen? Am Beispiel des Bereiches der unterstützten Kommunikation (UK) wird deutlich, dass eine Abgrenzung bzw. Zuordnung von Tätigkeiten zu einer Berufsgruppe nicht eindeutig ist. In einigen SPZs erfüllen die Aufgabe Logopäden und Logopädinnen, in anderen Einrichtungen sind auch Ergotherapeuten und Ergptherapeutinnen sowie Sozialpädagogen und -pädagoginnen in diesem Arbeitsfeld tätig.

Innerhalb der DGSPJ-Communities stellen die Therapeuten und Therapeutinnen eine der größten Gruppen mit derzeit 115 Mitgliedern dar. Das übergeordnete Ziel ist weiterhin die bundesweite Vernetzung der Kollegen und Kolleginnen und die Mitarbeit und Mitgestaltung der Arbeit in der DGSPJ. Dazu wirken inzwischen mehrere Kolleginnen in verschiedenen Arbeitsgruppen mit. In der AG Interdisziplinarität sind Stefanie Delz, Christiane Mai, Daniela Rumland und Kirsten Schnelle vertreten. Daniela Rumland ist auch in der AG Hilfsmittel und Kirsten Schnelle zusätzlich in der AG Digitalisierung aktiv. Die "AG Altöttinger Papier" wird durch die Mitinitiatorin Ulrike Mittelstaedt und die Gruppe der Online-Akademie wird von Felicitas Körner unterstützt. Die Treffen finden zumeist online statt und wenn möglich auch in Präsenz.

Oberstes Ziel: Gründung einer BAG

Neben diesen Engagements werden derzeit, in Vorbereitung auf die Gründung der BAG Therapeuten und Therapeutinnen, Landesarbeitsgruppen (LAG) gegründet. Dabei ist die Ausgangslage in Deutschland sehr unterschiedlich. Die Initiatoren orientierten sich dabei an den bereits gut etablierten Strukturen der BAG/LAGs der Psychologen, die unterstützend den Gründungsprozess mit begleiten. Zum einen ist die Verteilung der einzelnen SPZs variabel und es kommt hinzu, dass es in einigen Bundesländer und Regionen bereits ähnliche Strukturen in Form von Vernetzungstreffen von Therapeuten und Therapeutinnen gibt. Diese waren teilweise interdisziplinär, aber auch berufsbezogen ausgerichtet. Unser Wunsch ist, hier eine gemeinsame Grundlage zu schaffen um in der DGSPJ geschlossen präsent zu sein. In anderen Regionen hingegen gab es bisher keinerlei Vernetzungen der SPZ-Therapeuten und -Therapeutinnen?

LAG Nord war die erste Blaupause

So starteten die Autorin und Christiane Mai im Dezember letzten Jahres mit der Gründung der LAG Nord im Werner-Otto-Institut (WOI) in Hamburg. Die LAG Nord ist in der Flächenausdehnung die größte Gruppe und umfasst 5 Bundesländer. 60 Teilnehmende aus allen Berufsgruppen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und den Stadtstaaten Bremen und Hamburg trafen sich hierzu und wurden herzlichst in Hamburg durch den ärztlichen Leiter Dr. Joachim Riedel empfangen. Die Tagesveranstaltung begann mit der Vorstellung des KUGEL-Programms. KUGEL ist ein Elterntraining zur gebärdenunterstützten Kommunikation mit entwicklungsbeeinträchtigten Kindern und eine Weiterentwicklung des Heidelberger Elterntrainings. Das Thema Kommunikation bei/ für Menschen mit Beeinträchtigung betrifft jede Berufsgruppe. Durch die interaktive Gestaltung des Vortrages von Dorothee Maydell und Heike Burmeister bekamen am Nikolaustag alle einen guten Eindruck von der Wirksamkeit von Gebärden in der Kommunikation. Spontan entstand dabei die Idee, das Heidelberger Elterntraining (HET) für SPZ-Kollegen und -Kolleginnen in Norddeutschland anzubieten. Das HET ist die Voraussetzung für den Erwerb der Zusatzqualifikation KUGEL. Nach einer Kontaktaufnahme mit Heidelberg wurde dies bereits 2025 angeboten und sehr gut angenommen, die ersten Zertifizierungen sind auf den Weg gebracht. Im zweiten Teil der Veranstaltung standen berufspolitische Themen, die Verabschiedung der Geschäftsordnung und die Wahl der Sprecherinnen an. Es konnten 3 Sprecherinnen und 3 Stellvertreterinnen aus 3 Berufsgruppen benannt werden (Abb. 1). Abgerundet wurde das Treffen mit einer berufsbezogenen Führung durch das WOI.

Die LAG Nord führte am 21. November 2025 ihr 2.Therapeutentreffen in Pelzerhaken durch. Auch dort standen wieder interessante Themen aus verschiedenen Bereichen und Berichte vom internationalen Kongress Sozialpädiatrie in Heidelberg, aus den AGs der DGSPJ, dem Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig und ein Workshop zum Thema Gruppenfinanzierungen auf dem Programm.

Weitere LAGs auf den Weg gebracht

Ende September wurde die LAG Mitte in Halle (Saale) gegründet. Balthasar Hegemann organisierte dieses Treffen, bei dem 9 SPZs vertreten waren. Auch hier wurde die Veranstaltung mit interessanten Vorträgen begonnen. Frau Clara Schwarzenberg von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sprach über den Stand des Forschungsprojektes "SprachNetz" – Digitales Netzwerk Sprache, Bildung, Förderung. Es folgte ein Vortrag des Haller Kinder- und Jugendpsychiaters PD Dr. Mirko Döhnert über "Traumatisiert und Posttraumatische Belastungsstörung – zwei verschiedene Paar Schuhe".

Auch in Halle konnte die Gründung der LAG mit Verabschiedung der Geschäftsordnung und Sprecherwahl erfolgreich beschlossen werden. Herr Hegemann freut sich auf weitere Mitgestalter in der Region Mitte (Abb. 2).

Ende Oktober wurde nach intensiver Vorbereitung die LAG Bayern, ebenfalls mit Verabschiedung der Geschäftsordnung und der Wahl von drei Sprechern und Sprecherinnen und drei Stellvertretenden in Traunstein beschlossen.

Austausch steht bei allen Treffen im Fokus

Am 07. November 2025 fand das nächste Gründungstreffen der LAG Berlin-Brandenburg statt (Abb. 3). Dazu eingeladen hat das SPZ Postdam und die beiden Interims BAG-Therapeutensprecherinnen Daniela Rumland und Kirsten Schnelle. Die Wahl wurde vor Ort durch die zwei Sprecherinnen der LAG Nord unterstützt. Die 65 Teilnehmenden erhielten bei dem Fachvortrag der Dipl. Patholinguistin Veronika Herold zu dem Thema "Herausfordernde Verhaltensweisen bei nichtsprechenden Kindern" wertvolle Impulse für ihre Arbeit (Abb. 4). Im Anschluss wurde die Thematik in interdisziplinären Kleingruppen vertieft. Die Verabschiedung der Geschäftsordnung und Wahl der Sprecher und Sprecherinnen sowie Stellvertreter und Stellvertreterinnen erfolgte am Nachmittag. Dabei zeigte sich erneut, wie wichtig der Austausch zur Strukturierung, Arbeitsorganisation, Interdisziplinarität im Arbeitsalltag ist, um den veränderten Arbeitsanforderungen qualitativ hochwertig gerecht zu werden.

Die Gründung von LAGs ist die Vorbereitung auf die Gründung der BAG Therapeuten und Therapeutinnen. Nach den positiven Ergebnissen in diesem Herbst hat sich schließlich Baden-Württemberg am 05. 12. 2025 zu einem Hybrid-Therapeuten-Netzwerktreffen in Maulbronn getroffen. Auch dort ist im Anschluss die Gründung einer LAG geplant. Wir freuen uns, wenn dort die Geschäftsordnungen verabschiedet werden können und die Basis für die BAG Therapeuten und Therapeutinnen noch größer wird.

BAG-Gründung wohl im März 2026 in Erfurt

Die Vorbereitungen zu den LAG-Gründungen finden bei regelmäßigen Online Meetings statt, bei denen Interessierte aus den verschiedenen Bundesländern durch die Initiatorengruppe unterstützt werden. Wir freuen uns über weitere Mitwirkende aus den noch nicht erwähnten Bundesländern. Schreibt uns an, dann können wir Euch zu den nächsten Online-Meetings einladen! Ihr findet uns auf der Coyo-Plattform.

Mit der Sprecherwahl auf dem Forum Sozialpädiatrie im März 2026 in Erfurt planen wir die Gründung der BAG Therapeuten und Therapeutinnen erfolgreich abzuschließen. Neben der Gründung und Sprecherwahl, die parallel zu den BAG-Sitzungen der Ärzte und Ärztinnen sowie Psychologen und Psychologinnen am Donnerstag stattfindet, wird es auch erstmalig ein durch Therapeuten und Therapeutinnen gestaltetes Angebot auf dem Forum Sozialpädiatrie geben. Drei Workshop sind dabei geplant zu den Themen Unterstützte Kommunikation, ein Gruppentherapiekonzept zur Behandlung von Ess- und Fütterstörungen und Therapieziele SMART formulieren. Wir freuen uns, dort viele Kollegen und Kolleginnen zu treffen, uns auszutauschen und gemeinsam die Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten in der DGSPJ wahrzunehmen.

Uns beschäftigen aber auch Fragen, wie wir z. B. mit den immer komplexeren Anforderungen, wie der Erweiterung um Entwicklungsdiagnostiken und Einschätzungen umgehen, sowie dem allgemein gestiegenen Bedarf an Versorgung. Und andererseits die zunehmend geringen personellen Mittel in- und außerhalb der SPZ-Versorgung, die diesen Anforderungen gerecht werden sollen. Gemeinsam mit viel Schwarmwissen und Potenzial für Lösungen – verteilt über alle SPZs – sind wir gut aufgestellt, diese Herausforderungen anzunehmen.


Korrespondenzadresse
Stefanie Delz Mit-Initiatorin der BAG Therapeuten und Therapeutinnen in Gründung
Sozialpädiatrisches Zentrum Mecklenburg gGmbH
im Kinderzentrum Mecklenburg
Wismarsche Straße 306
19055 Schwerin
Tel.: 03 85/5 51 59-0
E-Mail: s.delz@spz-mecklenburg.de
Die SPZ-Kultur in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Neben den überwiegend diagnostisch und beratend tätigen Kollegen und Kolleginnen führen viele SPZs therapeutische Behandlungen häufig über längere Zeiträume hinweg aus und begleiten die Familien intensiv.

Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (1) Seite x-x