Ausgangspunkt war die Mitteilung von Prof. Dr. Michael Straßburg, Mitglied der Historischen Kommission der DGKJ und Ehrenmitglied der DGSPJ, der die NS-Belastung der drei Pädiater auf Grundlage neuer biografischer Recherchen dargelegt hatte. Demnach waren Kleinschmidt, Joppich und Mai nicht nur passive Mitläufer, sondern aktive Mitgestalter nationalsozialistischer Strukturen: als Mitglieder von NSDAP, SA oder SS, als Berater in der Reichskanzlei, als Mit-Autoren ideologisch geprägter Gesundheitsprogramme oder als Beisitzer an Erbgesundheitsgerichten.
Der Vorstand der DGSPJ hat diese Informationen geprüft, öffentlich gemacht und im Rahmen der Mitgliederversammlung intensiv diskutiert. Die Entscheidung, die Ehrenmitgliedschaften zu entziehen, war folglich kein symbolischer Akt, sondern Ausdruck einer klaren Haltung: Eine Ehrenmitgliedschaft ist untrennbar an eine Vorbildfunktion und an Werte gebunden. Dies ist mit einer positiven Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus und der aktiven Unterstützung des NS-Regimes nicht vereinbar.
Die DGSPJ bekennt sich mit diesem Schritt zu einer transparenten Aufarbeitung ihrer Geschichte und zu ihrer besonderen Verantwortung als Fachgesellschaft, deren Kernaufgabe die Medizin für Menschen mit Behinderungen ist, einer besonders betroffenen Opfergruppe des Nationalsozialismus.
Die DGSPJ hofft, damit einen konstruktiven Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Medizin im Nationalsozialismus zu leisten und künftige Generationen zu einer Haltung der Zivilcourage, Menschlichkeit und kritischen Selbstreflexion zu ermutigen.
Prof. Volker Mall, Dr. Andreas Oberle,
Anna Philippi
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (1) Seite x-x
