Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat mit Unterstützung der DAKJ einen neuen Anlauf für ein komplettes Verbot von Tabakwerbung unternommen. Was steckt dahinter?

Dieser Forderung von Marlene Mortler (CSU), die auch die seit einigen Jahren mit großem Werbeaufwand auf den Markt eingeführten sogenannten E-Zigaretten mit einschließt, haben sich mittlerweile fraktionsübergreifend zahlreiche Mitglieder des Deutschen Bundestages angeschlossen. „Wir Kinder- und Jugendärzte unterstützen nachhaltig die Initiative für eine lückenlose Umsetzung des Tabakwerbeverbots in Deutschland“, so Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ). „Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass Teile der Politik die Interessen der Tabaklobby immer noch höher gewichten, als den Jugendschutz und die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen.“

Deutschland ist das einzige Land in der Europäischen Union, in dem Tabakwerbung mit großflächiger Außenwerbung auf Plakaten oder im Kino immer noch erlaubt ist. Damit verstößt die Bundesregierung gegen das auch von Deutschland unterzeichnete internationale Tabak-Rahmenabkommen der Weltgesundheitsorganisation WHO (FCTC). Insbesondere auf Kinder und Jugendliche hat Werbung einen starken suggestiven Einfluss. Je häufiger Kinder und Jugendliche mit Tabakwerbung in Kontakt kommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in ihrem Leben später Tabakprodukte konsumieren und entsprechende Abhängigkeiten entwickeln. Das belegen zahlreiche Studien. So verwundert es nicht, dass in anderen europäischen Ländern mit umfassenden Tabakwerbeverboten die Raucherquote unter Jugendlichen mittlerweile deutlich zurückgegangen ist.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum öffentliche Präventionskampagnen der Bundesregierung vom Tabakkonsum abraten, die Tabakindustrie aber ihre Produkte in Deutschland parallel dazu weiter bewerben darf“, kritisiert Huppertz.
Im Koalitionsvertrag haben sich CDU, CSU und SPD Anfang 2018 auf folgendes politisches Ziel verständigt: „Wir werden Drogenmissbrauch weiterhin bekämpfen und dabei auch unsere Maßnahmen zur Tabak- und Alkoholprävention gezielt ergänzen. Dabei ist uns das Wohl der Kinder besonders wichtig.“ So ist es nur konsequent und eine Frage der Glaubwürdigkeit, wenn jetzt gefordert wird, dass Deutschland den anderen EU-Ländern folgen und endlich ein umfassendes Werbeverbot für alle Tabakprodukte beschließen muss.

Die DAKJ als der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Verbände und Gesellschaften begrüßt daher nachdrücklich die aktuelle Initiative der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, da die deutschen Kinder- und Jugendärzte schon seit langem ein umfassendes Tabakwerbeverbot fordern.



Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) / ras